Losung für den 05.06.2020

Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott? Psalm 42,4

Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit. 2.Korinther 12,9

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Schreiter Fenster am Taufbecken Fenster am Taufbecken von Johannes Schreiter (Foto: M. Bauch)

Gemeinde

Die Fenster in der Dreieinigkeitskirche in Hersel von Johannes Schreiter - sie leuchten und funkeln immer anders

"Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch" (Joh 12,35) - Auch in unserer Dreieinigkeitskirche in Hersel leuchten die Fenster von Johannes Schreiter, der im März 90 Jahre alt wurde. 

Täglich gehe ich mehrmals durch die Kirche - nicht, nicht um zu beten oder nachzudenken - nein, rein pragmatisch, mein "Jugendbüro" im Jugendhaus an der Mertensgasse ist und der Drucker und Nicola Kokisch als Gemeindesekretärin und Pfarrer Ingo Siewert ihr Büro an der Gartenstrasse haben. 
Auch wenn es manchmal lästig ist, für jeden Ausdruck "so weit" gehen zu müssen, habe ich allerdings ebenso oft die Sonnenstrahlen in die Kirchenfenster - zu den unterschiedlichsten Tageszeiten - genießen dürfen. Und nicht nur einmal habe ich dabei auch in der Kirche innegehalten.

Nun war die Kirche einige Wochen ganz geschlossen. Und wenn jetzt auch wieder Gottesdienste mit Präsenz gefeiert werden dürfen, wird der ein oder andere eine Weile noch, nicht in die Kirche kommen können oder wollen.

Ich hatte bereits die Idee, einige schöne Fotos der Kirchenfenster auf der Homepage zu veröffentlichen, zusammen mit der Fensterbeschreibung von Johannes Schreiter selber, die ich im Keller in dem Heft aus dem Jahr 1960 "Evangelische Diaspora - Aussaat zum Leben" über unsere Kirchengemeinde entdeckt habe, als ich in der Mai Ausgabe entdeckte, dass dort ein Bericht über Johannes Schreiter und seine Meisterwerke anlässlich seines 90 Geburtstages im März zu lesen ist. 

Auch wenn unsere Dreieinigkeitskirche dort nicht benannt ist, so haben wir doch auch ein solches Meisterwerk!
Ich wünsche Ihnen, dass Sie es bald wieder mit eigenen Augen betrachten und bewundern können und vor allem den Kraft der Fenster spüren können. Vielleicht schauen Sie einfach auch mal vorbei. Wenn ich da bin, können wir gerne zusammen die Fenster betrachten. Zum Schutz von uns allen selbstverständlich mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz.

Gemeindepädagogin Micha Bauch  

 

Blick in die ganze Kirche (Foto: M. Bauch) Blick in die ganze Kirche (Foto: M. Bauch)

Fensterbeschreibung von Kunstmaler Johannes Schreiter aus "Evangelische Diaspoara - Aussaat zum Leben" - Geschichte der Evangelischen Pfarrei Hersel bei Bonn - 1960

"Die Versenkung in die Dinge, das Bild das sich aus den Träumen löst, die Dinge hervorrufen, das ist dichterischer Gesang. Ein Ding direkt benennen, heißt drei Viertel vom Wert des Gedichts unterdrücken, das in dem Glück besteht, nach und nach in die Tiefe zu ahnen. Andeuten, nahelegen, da liegt der Traum. Das ist der vollkommene Gebrauch dieses Geheimnisses, das das Symbol bildet." (St. Mallarmé)

Um solche Symbole handelt es sich in den Glasbeton-Wändern der Kirche in Hersel. Diese Lichtwände sollen dem Betrachter keine Inhalte nennen oder ihn gar heilsgeschichtlich orientieren. Aus der evokratorischen Kraft ihrer Rhythmik soll ihr Inhalt in gleichnishafter Form entstehen. Das Aufleuchten der Dickgläser scheint dem besagten gelichnishaften Charakter besonders entgegenzukommen. Eingebettet in das Dunkel großer Zementflächen strahlen sie wie aus einer anderen Welt und erinenrn uns vielleicht an den Auferstandenen, "der da wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann..." (1. Tim 6,16)

Auf diese Weise wird das Symbol nicht zum Ziel, sondern zum Medium der Schau. Voraussetzung dazu ist, daß auf eine Gegenständigkeit, wie sie aus anderen Kirchenfenstern bekannt sein mag, verzichtet wird, auf eine Gegenstandsaufzählung, die es dem Betrachter erschweren würde, sich zu sammeln, sich frei zu machen für das Geheimnis der Gnade, das sich doch gerade im Gotteshaus im Menschen entfalten möchten.

Gleichzeitig wollen die Fenster für die Notwendigkiet einer inneren Sammlung Sorge tragen; also nicht nur Licht spenden, um lesen zu können, sondern, sie wollen ein Licht, ein ganz bestimmtes Licht erzeugen: im Raum, in den Menschen. "...sie werden nicht bedürfen des Lichts der Sonne" (Off 22.5)

Das Schreiter-Fenster am Eingang (Foto: M. Bauch) Das Schreiter-Fenster am Eingang (Foto: M. Bauch)

Wenn Sie die Kirche betreten, kommen Sie zuerst am Tauffenster vorbei. Spüren Sie, daß Sie ein Teil der sich von links und rechts zur Mitte hinschiebenden Masse sind? Die Erde herrscht vor. Diese Massen tauchen in das Wieß bewegter Rhythmen, wo sich ihre Reinigung vollziehen soll. Blaue Kraftimpulse durchzucken den gelichnishaften Vollzug der Bildelemente: die Anwesenheit des Geistes, auch im irdischen Bereich. ICh definiere also in diesem Fenster nicht die oder eine Taufe, abgesehen davon, daß dies eine Vermessenheit wäre, sondern ich versuche mittels des Glases und den ihm anvertrauten Formsätzen mit Ihnen "in die Tiefe zu ahnen."

Durch das Blau erfährt auch die große Ostwand in Altarnähe ihre Apostrophierung. Es ist von mir in der Kirche dazu bestimmt worden, aktiv zu sein, obwohl es zu seinen Eigenschaften gehört, den Menschen mit in die Ferne zu träumen oder vor dem betrachtenden Auge in bestimmte Ferne zurückzuweichen. Meine Gleichung in der Kirche lautet Blau = Geist und  ich lasse dieses Blau wie einen Keil in Altarnähe auf die Gemeinde zustoßen. Begleitet wird dieser Vorstoß des Geistes durch niederfallende Flammen- oder Tropfenformen in goldenen Farben, die ihrerseits von Lichtwunden und LIchthieben umgeben zu sein scheinen.

Wenn es gelingt, angesichts meiner Fenster etwas besonnener zu glauben und zu fürchten als sonst, so würden sie nicht nur einem Zweck, sondern auch noch einen Sinn erfüllen und der unterscheidet letten Endes das Zweckhandeln unseres Alltags grundsätzlch von jeder Handllung des Menschen in Chritsto, denn:

 

"Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch" (Joh 12,35)" 

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11.05.2020



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